Klimawandel, geopolitische Spannungen, zunehmende Rohstoffknappheit und fragile Lieferketten stellen Wirtschaft und Politik vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund wird die Kreislaufwirtschaft auf europäischer Ebene als zentraler Hebel verstanden, um Klimaneutralität, wirtschaftliche Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit miteinander zu verbinden. Doch gelingt es Deutschland, diesem Anspruch gerecht zu werden?
Die Studie Kreislaufwirtschafts-Strategien der EU und Deutschlands im Vergleich. Zukunftsperspektiven für eine Transformation der Wirtschaft, die in Zusammenarbeit mit Autorinnen und Autoren von Future Impacts entstand, untersucht systematisch, wie die Europäische Union und Deutschland Kreislaufwirtschaft strategisch angehen und kommt zu einem nüchternen Ergebnis: Mit den bislang geplanten und umgesetzten Maßnahmen wird Deutschland die europäischen Zielvorgaben nicht erreichen.
Anspruch, Umsetzung und Konsequenzen
Verglichen werden zentrale europäische Strategien (Circular Economy Action Plan und Clean Industrial Deal) mit der Ende 2024 verabschiedeten Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) und ihrer Umsetzung im Koalitionsvertrag der Bundesregierung.
Die Analyse zeigt: Während die EU Kreislaufwirtschaft langfristig industrie-, klima- und wirtschaftspolitische Strategien einbettet, bleibt die deutsche Umsetzung bislang fragmentiert und stark auf kurzfristig wirksame Einzelmaßnahmen ausgerichtet. Daraus ergeben sich nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Risiken. Bleibt Deutschland auf dem bisherigen Kurs, drohen Wettbewerbsnachteile und auch eine wachsende Abhängigkeit von Rohstoffimporten.
Verpasste Chancen? Ja! Aber das Spiel ist noch nicht verloren.
Die Studie macht deutlich: Der eingeschlagene Weg reicht nicht aus, um die europäischen Vorgaben zu erfüllen oder den Übergang zur Klimaneutralität zu schaffen. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, dass dies kein unveränderliches Schicksal ist. Anhand konkreter Beispiele aus anderen europäischen Ländern zeigt sie auf, wie durch klare Zielsetzung, verbindliche Rahmenbedingungen und strategische Leitmärkte Fortschritte möglich sind.
Damit verbindet die Studie eine klare Warnung mit einer ebenso klaren Perspektive: Deutschland vergibt derzeit Chancen, sich frühzeitig als resilienter und wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort in einer zirkulären Wirtschaft zu positionieren. Diese Chancen können jedoch noch genutzt werden: Wenn politische Prioritäten neu gesetzt und bestehende Strategien konsequent weiterentwickelt werden.
Orientierung für politische und strategische Entscheidungen
Die Studie richtet sich an politische Entscheidungsträger:innen, Verwaltung, Wirtschaft und alle Akteur:innen, die sich strategisch mit der Transformation zur Kreislaufwirtschaft befassen. Sie zeigt auf, wo Deutschland hinter den europäischen Ambitionen zurückbleibt, welche strukturellen Ursachen dafür verantwortlich sind, und welche Handlungsoptionen bestehen, um Kurskorrekturen vorzunehmen.
Die vollständige Studie bietet eine Vergleichsanalyse, ordnet aktuelle politische Strategien ein und liefert konkrete Ansatzpunkte, wie Kreislaufwirtschaft wirksam gestaltet werden kann. Und das Beste? Die Studie steht frei zum Download zur Verfügung: Kreislaufwirtschafts-Strategien der EU und Deutschlands im Vergleich. Zukunftsperspektiven für eine Transformation der Wirtschaft.
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