Digitalisierung und Klimaschutz stehen seit einigen Jahren ganz weit oben auf der Agenda von Unternehmen. Getrennt voneinander ergeben die Themen „Digitalisierung“ und „Klimaschutz“ für die meisten auch Sinn. Doch will man diese zusammen betrachten, stellen sich schnell Fragen wie z. B.: Kann Digitalisierung überhaupt den Klimaschutz befördern? Ist damit nicht eher ein erheblicher Ressourcen-Verbrauch verbunden? Und vor allen Dingen: Wie sehen das die Mitarbeitenden in deutschen Unternehmen?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hat HIRSCHTEC in Kooperation mit B.A.U.M. e.V. eine Umfrage beim Marktforschungsinstitut YouGov in Auftrag gegeben. Im Zuge dessen wurden 537 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer repräsentativ — nach Beschäftigtenanteil pro Unternehmensgröße in Deutschland — befragt. Die zentralen Ergebnisse und Handlungsempfehlungen, die sich daraus für Unternehmen und Führungskräfte ergeben, habe ich im Folgenden zusammengefasst:

Zum Zusammenwirken von Digitalisierung und Klimaschutz besteht viel Unkenntnis und Unsicherheit

Nur knapp ein Drittel (30 Prozent) der Arbeitnehmenden in Deutschland denkt, dass Klimaschutz durch Digitalisierung erst wirklich möglich wird.

Digitalisierung und Klimaschutz haben nichts miteinander zu tun, so die Aussage von 28 Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland. Und sogar 18 Prozent sind der Auffassung, dass sich die Digitalisierung negativ auf unser Klima auswirkt. Lediglich ein Drittel ist überzeugt davon, dass Klimaschutz durch Digitalisierung erst wirklich möglich wird.

Geht man jetzt noch einen Schritt weiter, glaubt zwar immerhin über die Hälfte (51 Prozent) der Berufstätigen, dass die Digitalisierung generell einen positiven Beitrag zum Klimaschutzprogramm 2030 leisten kann. Jedoch sind auch ganze 30 Prozent nicht davon überzeugt.

Bereits über die Hälfte (51 Prozent) der Berufstätigen ist überzeugt davon, dass die Digitalisierung einen positiven Beitrag zum Klimaschutzprogramm 2030 leisten kann.

Allein bei diesen Ergebnissen zeigt sich schon eine große Diskrepanz, die auf eine starke Unkenntnis und Unsicherheit bezüglich des Zusammenwirkens von Digitalisierung und Klimaschutz bei den Beschäftigten schließen lässt. Doch woher kommt diese Unwissenheit und Unklarheit? Auch wenn in den letzten zwei Jahren die digitale Transformation angestoßen wurde, ist diese noch nicht überall angekommen.

Viele Unternehmen stehen noch am Anfang ihrer Digitalisierungsbestrebungen, der Digital Workplace bzw. hybride Arbeitsmodelle sind vielerorts noch nicht nachhaltig im Arbeitsalltag verankert.

Gleichzeitig scheint die Bandbreite des Einsatzes digitaler Komponenten — nicht nur für den Arbeitsalltag, sondern speziell auch für den Klimaschutz — vielen nicht bekannt zu sein. Und es wird offensichtlich noch zu wenig kommuniziert, dass viele Klimaschutzmaßnahmen durch digitale Technologien (z. B. E-Mobilität, Entwicklung neuer Energiequellen, smarte Technologien etc.) erst wirklich möglich werden.

Um hier ein stärkeres Bewusstsein zu schaffen, braucht es folglich eine intensivere öffentliche Kommunikation zu Positivbeispielen für ein gelungenes Zusammenspiel von Digitalisierung und Klimaschutz sowie unternehmensinterne Aufklärungsarbeit inklusive Kompetenzaufbau.

Über die Hälfte der Beschäftigten erkennt keinen starken Beitrag des Digital Workplace zum Klimaschutz

Wie hoch dieser Kommunikations- und Aufklärungsbedarf tatsächlich ist, zeigt sich auch daran, dass nur 35 Prozent der Beschäftigten einen (starken) positiven Effekt des Digital Workplace auf den Klimaschutz sehen, über die Hälfte (52 Prozent) beobachtet ihn aber nicht.

Nur 35 Prozent der Beschäftigten sehen durch den Digital-Workplace-Einsatz einen starken positiven Effekt auf den Klimaschutz.

Ist diese Einschätzung letztendlich eine Frage des Alters? Zwar ist nicht zu leugnen, dass ältere und jüngere Beschäftigte den Digitalisierungseffekt auf den Klimaschutz durchaus unterschiedlich beurteilen. Lediglich 26 Prozent der über 45-jährigen Arbeitnehmenden sind der Auffassung, dass Klimaschutz durch Digitalisierung erst wirklich möglich wird.

Bei den unter 45-jährigen glauben dies schon 38 Prozent. Zudem sind 59 Prozent der jüngeren Berufstätigen von einem positiven Beitrag der Digitalisierung zum Klimaschutzprogramm 2030 überzeugt. Bei den älteren Berufstätigen sind es nur 48 Prozent. Doch bei einem sind sich beide Altersgruppen einig: Jeweils über die Hälfte (52 Prozent der älteren und 51 Prozent der jüngeren Beschäftigten) ist der Überzeugung, dass der Einsatz des digitalen Arbeitsplatzes in ihrem Unternehmen keine starke Wirkung auf den Klimaschutz hat.

Jüngere und ältere Berufstätige beurteilen Digitalisierungseffekte auf den Klimaschutz unterschiedlich.

Fünf Schritte, um den Wertbeitrag eines Digital Workplace für den Klimaschutz zu verdeutlichen

All diese Ergebnisse zeigen: Beschäftigte in deutschen Unternehmen sind zwar generell überzeugt davon, dass die Digitalisierung einen positiven Beitrag zum Klimaschutzprogramm leisten kann. Nichtsdestotrotz sehen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bisher noch nicht den Mehrwert des Einsatzes eines digitalen Arbeitsplatzes für den Klimaschutz.

Und genau hier verschenken Unternehmen unglaubliches Potenzial sich für bestehende, aber auch für neue Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer attraktiv zu machen. Denn eine Studie der Personalmarketing-Gruppe Königsteiner aus 2021 ergab, dass zwei Drittel aller Bewerberinnen und Bewerber bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber darauf achten, wie dessen Haltung zum Thema Klimaschutz ist. Fünf Schritte, die Arbeitgebende und Führungskräfte daher unternehmen sollten, um den Nutzen des Digital Workplace für den Klimaschutz nachhaltig in den Köpfen der Mitarbeitenden zu verankern:

  1. Auf ineinandergreifende Strategien setzen:
    Wir erleben es immer wieder, dass Unternehmen nach außen digital schon gut aufgestellt sind, indem sie z. B. Kundenprozesse automatisiert und digitalisiert haben. Schaut man aber in das Innere der Organisation, sieht es oft ganz anders aus: Es wird noch unglaublich viel Papier verwendet, große Datenmengen werden immer noch via E-Mail versendet und die Arbeitsweisen sind nicht an die neue hybride Arbeitswelt angepasst. Dies zeigt, dass die agile Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie einfacher gesagt als getan ist und Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt. Deshalb mein Appell: Denken Sie Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsstrategien ganzheitlich und sorgen Sie dafür, dass sie ineinandergreifen, sprich: Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass Ihre Digitalisierungsbestrebungen und -maßnahmen auch ganz konkret auf das Thema Nachhaltigkeit einzahlen. Dabei kommt Ihnen zugute, dass sich viele Nachhaltigkeitskonzepte auch auf digitale Projekte anwenden lassen.
  2. Vorteile herausstellen und kommunikative Begleitung:
    Stellen Sie sicher, dass der digitale Arbeitsplatz mit seinen Kommunikations-, Kollaborations- und Prozess-Tools nachhaltig im Arbeitsalltag der Mitarbeitenden verankert ist, sprich: dass digitale Arbeitsinstrumente beständig genutzt werden. Hier hilft es schon, wenn Sie z. B. die Tool-Landschaft im Unternehmen sortieren und ggf. reduzieren, sodass auf einen Blick deutlich wird, welches Tool am Digital Workplace am besten für welchen konkreten Anwendungsfall genutzt werden sollte. Ergänzend zu der Orientierung durch die Visualisierung der Tool-Landschaft können Sie mithilfe von Erklärvideos, persönlichen Schulungen/Coachings oder auch virtuellen Hilfe-Communities (z. B. in Microsoft Teams) den Mitarbeitenden zusätzlich noch die Vorteile einer Digital-Workplace-Nutzung vor Augen führen.
  3. Etablierung eines hybriden Arbeitsmodelles:
    Ein solches Modell, mit dem Digital Workplace als Kernelement, bietet Ihren Mitarbeitenden einerseits mehr Flexibilität. Andererseits können Sie als Arbeitgebender oder Führungskraft auch besser auf die individuellen Bedürfnisse Ihrer Beschäftigten eingehen. Ein weiterer Vorteil von hybriden Set-ups ist die Reduzierung von Fahrten ins Büro bzw. Geschäftsreisen, was wiederum den CO2-Fußabdruck verringert. Die Studie „Klimaschutzpotenziale der Nutzung von Videokonferenzen und Homeoffice“ des Borderstep Instituts zeigt z. B.  auf, dass der Einsatz von Videokonferenzen statt Dienstreisen ein hohes Potenzial für den Klimaschutz birgt und sich so ca. drei Mio. t Treibhausgasemissionen im Jahr einsparen ließen. Die integrierte Betrachtung unternehmerischer Mobilitätsstrategien unter Einbezug von Videokonferenzen zur Vermeidung von Dienstreisen kann ebenfalls einen wertvollen Beitrag leisten. B.A.U.M. hat hierzu einen Leitfaden veröffentlicht, der es ermöglicht, ganz einfach in das Thema einzusteigen: www.mobilitypolicy.de
  4. Offene Kommunikation und Einbindung:
    Kommunizieren Sie gelungene Beispiele für Klimaschutz und Digitalisierung im Unternehmen intensiv an die Mitarbeitenden und binden Sie diese in Klimaschutz- und Digitalisierungsmaßnahmen ein. Dadurch wird intern aktiv Wissen und Kompetenz rund um dieses Themengebiet auf- und ausgebaut. Zeigen Sie z. B. auf, wie am digitalen Arbeitsplatz durch den Einsatz von Standardsoftware  — statt individueller Programmierungen — Ressourcen geschont und Rechenzeiten reduziert werden, wie auch bei digitalen Plattformen auf Kreislaufwirtschaft geachtet wird (Bsp. redaktionelle Optimierung von Intranets und digitalen Arbeitsplätzen, Verschlankung von Navigationsstrukturen etc.) oder wie dank guter, logisch aufgebauter Informationsarchitekturen zeitintensive, stromfressende Suchanfragen minimiert werden.
  5. Erleb- und spürbare Nachhaltigkeit im Arbeitsalltag:
    Lassen Sie hierfür z. B. den CO2-Fußabdruck Ihres Unternehmens von unabhängigen Dritten, etwa über eine Nachhaltigkeitsberatung, berechnen und leiten Sie darauf basierend weitere Maßnahmen ab. Eine Maßnahme könnte beispielsweise eine interne Kommunikationskampagne und ein Sustainability Hub im Intranet sein, der wertvolle Tipps und Tricks und einen Ort des Austauschs für Mitarbeitende rund um das Thema Nachhaltigkeit bietet. Eine weitere Möglichkeit, um Nachhaltigkeit im Arbeitsalltag erleb- und spürbar zu machen, sind Mitarbeitenden-Apps wie SUSTAYN. Hierüber können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Nachhaltigkeitsstrategien mit einbezogen und motiviert werden, umweltfreundlicher zu handeln. Die Klima-App Codyo wiederum setzt auf Mitarbeitende als Know-how-Trägerinnen und -Träger im Unternehmen, wenn es darum geht Ressourcen zu sparen, Prozesse zu optimieren oder durch bestimmte Veränderungen einen positiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Zudem monitort sie Erfolge durch Einsparmaßnahmen nachvollziehbar.

Egal was Sie oder das Unternehmen, indem Sie arbeiten, davon umsetzen. Eine Sache bleibt Fakt:

Die Mehrwerte, die durch die Digitalisierung für den Klimaschutz entstehen, müssen sicht- und messbar gemacht und vor allen Dingen zielgerichtet kommuniziert werden.

Organisationen, die das nicht tun, werden für bestehende und zukünftige Mitarbeitende unattraktiv und werden sich langfristig nicht im Wettbewerb behaupten können. Denn man kann nicht die Augen davor verschließen, dass Digitalisierung ohne Klimaschutz und Klimaschutz ohne Digitalisierung nicht funktioniert.


Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 537 Arbeitnehmer zwischen dem 28.09. und 03.10.2022 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ nach Unternehmensgröße.

 

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