Was lief bei uns im Nachhaltigkeitsprojekt im Jahre und was steht für 2024 an? Wir präsentieren euch unsere Agenda und die dazugehörigen ExpertenInnen.

Betriebliche Transformation in Sicht?

Ole Wintermann

Die jüngste COP28-Konferenz hat einmal mehr die dringende Notwendigkeit für konsequentes Handeln im Bereich der Nachhaltigkeit verdeutlicht. In diesem Kontext spielen Unternehmen eine Schlüsselrolle. Sie sind oft Wegbereiter des Wandels und dienen als Inspiration für andere Akteure im Markt. In den vergangenen zwei Jahren hat unser Projektteam intensiv Vorbild-Unternehmen in Studien, Policy Briefs und Interviews untersucht. Trotz ihrer Bedeutung finden diese Unternehmen in öffentlichen und fachspezifischen Debatten häufig zu wenig Beachtung. In politischen Diskussionen entsteht bisweilen der Eindruck, als ob der Fortschritt in Richtung Nachhaltigkeit verzögert würde – eine Entwicklung, die von ExpertInnen aus Bereichen wie der Klimaökonomie, Biologie und Klimawissenschaft seit langem kritisiert wird.

Wir blicken mit Vorfreude auf dieses Jahr, in dem wir die Ergebnisse unserer Studie, durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem Team des Fraunhofer IAO unter der Leitung von Josephine Hofmann und Claudia Ricci, präsentieren dürfen. In einem unserer jüngsten Podcasts konnten Claudia und ich bereits tiefergehende Einblicke in diese Studie geben. In der Studie identifizieren wir rund 15 Unternehmen, die als Vorbilder für nachhaltige Transformationen dienen könnten. Ziel ist es, in detaillierten Interviews deren Erfolgsgeheimnisse zu entschlüsseln und für NachahmerInnen zugänglich zu machen. Die Studie wird ergänzt durch vertrauliche Gesprächsrunden und einen intensiven Wissens- und Erfahrungsaustausch mit engagierten UnternehmerInnen, um weitere Erkenntnisse über nachhaltigen Wandel zu gewinnen.

Hierzu sind wir im Rahmen eines gemeinsamen Workshops mit der Deutschen Bundestiftung Umwelt auf dem Kongress der Landesregierung Baden-Württemberg bereits mit etlichen Unternehmen ins Gespräch gekommen. Schwerpunkt hierbei war die Frage, inwiefern die digitale Transformation der Unternehmen deren nachhaltige Transformation (mit einem Schwerpunkt auf die Förderung einer Kreislaufwirtschaft) befördern kann.

Diese unternehmensbezogenen Analysen werden wir durch eine Reihe von spannenden Podcasts ergänzen, in denen Gäste aus der Wirtschaft, Wissenschaft und sogar der Literatur zu Wort kommen. Die ersten Episoden für das nächste Jahr sind bereits fertiggestellt – seid gespannt.

Mehr Circular Economy in Unternehmen

Birgit Wintermann

Im Rahmen der Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit haben wir uns auch mit der Frage befasst, inwieweit Unternehmen dabei durch Circular Economy mehr Ressourceneffizienz erreichen können. Im Rahmen unserer Kooperation mit ProjectTogether wurde im Rahmen von Circular Futures zunächst auf die Start-up-Szene geschaut. Im Fokus des letzten Jahres stand dann die praktische Umsetzung: Mit dem neuen Verpackungsgesetz sind Herausforderungen im Mehrwegbereich auf die Letztvertreibenden zugekommen. Mit der Mehrwegallianz (Mehrweg.Einfach.Machen (mehrweg-einfach-machen.de) hat Project Together die Umsetzung begleitet. Gemeinsam haben wir einen Learning Report aufgesetzt, der sich mit der Frage befasst, wie gesetzliche Regelungen für mehr Nachhaltigkeit in der Praxis umgesetzt werden. Die Ergebnisse werden Mitte diesen Jahres vorliegen. Zudem möchten wir uns weiter damit befassen, die Voraussetzungen für mehr Engagement von Unternehmen in der Circular Economy zu erforschen und zu verbessern.

Zirkularität auf regionaler Ebene

Alexandra Schmied

Für die Initiative CircularOWL war das Jahr 2023 ein Jahr des Zuhörens, des Lernens und des Vernetzens. Auf unzähligen kleinen und großen Veranstaltungen, darunter auch ein BarCamp mit der Bertelsmann Stiftung als Veranstaltungsort, sind wir mit anderen Netzwerkenden, mit Wissenschaftler:innen und vor allem mit Unternehmen ins Gespräch gekommen. Kernthemen war dabei immer „zirkuläre Wertschöpfung“, „Ressourcenschonung“ und zum Jahresende 2023 ging es immer häufiger um die Frage der Messung und Bewertung der Umweltauswirkungen eines Produktes über alle Phasen des Lebenszyklus hinweg. Viele mutmachende Beispiele haben wir kennenlernen dürfen und somit wird ein Teil unserer Aktivitäten in diesem Jahr darin bestehen, diese Good Pratice Beispiele und entwickelten Lösungswege, Interessierten zur Verfügung zu stellen. Außerdem möchten wir einen Beitrag dazu leisten, die zum Thema Circular Economy bereits bestehenden regionalen Netzwerke miteinander in den Austausch zu bringen. Veranstaltungen hierzu sind bereits in der Planung. „We will keep you posted!“

Kreislaufwirtschaft zentraler Stellhebel?

Armando Garcia Schmidt, Marc Wolinda, Marcus Wortmann

Im vergangenen Jahr lag unser Fokus auf der politischen Rahmensetzung für die Transformation. Ein von uns beauftragtes Gutachten des FÖS zeigte zu Beginn des Jahres auf, dass das aktuelle Steuersystem oft Fehlanreize setzt, die insbesondere im Mittelstand Innovationen im Bereich nachhaltiger Technologien hemmen. Eine konsistente Steuerpolitik könnte demnach ein wesentlicher Treiber für die Nachhaltigkeitswende sein.

Weiterhin widmeten wir uns den politischen Rahmenbedingungen für den Übergang zur Circular Economy. Unsere Grundlagenpapiere beleuchten die Zielkonflikte, die mit der Transformation zur Zirkulärwirtschaft verbunden sind, präsentieren internationale Best Practices für nationale Kreislaufwirtschaftsstrategien und diskutieren die makroökonomischen Effekte der Circular Economy. In diesem Kontext haben wir uns auch als Knowledge Partner an der Studie „Modell Deutschland Circular Economy“ des WWF beteiligt. Ein Strategiepapier, das wir gemeinsam mit dem Wuppertal Institut und dem Fraunhofer ISI erarbeitet haben, zeigt auf, wie eine missionsorientierte Politik die Transformation zur Circular Economy unterstützen kann.

Unsere Studie „Innovative Milieus 2023“ belegt, dass besonders innovationsstarke Unternehmen einen signifikanten Beitrag zur Nachhaltigkeitstransformation leisten. Etwa 80 Prozent der als „Technologieführer“ oder „Disruptive Innovatoren“ eingestuften Unternehmen setzen Prozess- und Produktinnovationen für mehr Nachhaltigkeit um. Über die Hälfte dieser Betriebe versucht zudem, mit Geschäftsmodellinnovationen die Transformation aktiv voranzutreiben. Unsere Schlussfolgerung: Je innovationsfähiger die Unternehmenslandschaft ist, desto größer ist die Chance für eine erfolgreiche Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen. Auf dem Circular Republic Festival haben wir Instrumente vorgestellt, die mittelständischen Unternehmen helfen können, in Richtung Nachhaltigkeit und Zirkularität zu innovieren, darunter die Circo Workshops der Effizienzagentur Deutschland und ein Strategietool von Acatech und WWF Deutschland.

In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf drei Hauptthemen: Am 20. Februar starten wir in Berlin eine Veranstaltung mit der BDI-Initiative Circular Economy und dem WWF Deutschland, um mit Ministerin Steffi Lemke und anderen über die Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie zu diskutieren. Wir werden uns weiterhin mit der Umsetzung dieser Strategie in Deutschland beschäftigen und ein besonderes Augenmerk auf die Aktivitäten in Nordrhein-Westfalen legen. Zudem werden wir die Bedeutung kollaborativer Innovationsprozesse und die Rolle staatlicher Finanzierungsinstrumente sowie der öffentlichen Beschaffung für die Nachhaltigkeitswende im Mittelstand untersuchen.

Nachhaltige Wertschöpfung

Jakob Kunzlmann, Fritz Putzhammer

Nachhaltige Wertschöpfung gewinnt an Bedeutung, da sie über monetäre Aspekte hinausgeht und soziale sowie ökologische Effekte der Wirtschaftstätigkeit berücksichtigt. Dieses Konzept spiegelt ein erweitertes Verständnis von „Wert“, das subjektive Präferenzen und Vorstellungen von Wohlstand einbezieht, wider. Früher bestimmte der Preis den Wert, doch heute erkennen wir, dass Wertschöpfung mehrdimensional ist, wie Marianna Mazzucato in „Wie kommt der Wert in die Welt?“ betont.

Damit haben wir allem, dass keinen Preis hatte, auch keinen Wert zugeschrieben, es war also möglich, auf Kosten der Allgemeinheit CO2 zu emittieren, Böden mit Nitrat zu belasten und die Biodiversität zu verringern – das Projekt zu „Nachhaltiger Wertschöpfung“ will durch verschiedene Aktivitäten diesem Marktversagen entgegenwirken.

Anfang letzten Jahres präsentierten wir den ersten Sustainability Transformation Monitor (STM) und diskutierten ihn mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Dieses Kooperationsprojekt zielt darauf ab, die Transformation der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren evidenzbasiert zu verfolgen. Wir fokussieren auf die Änderungen im Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen sowie auf die Interaktion zwischen Real- und Finanzwirtschaft. Unser Ziel ist es, zu erfassen, welche Faktoren die Umstellung von Geschäftsmodellen fördern oder hemmen und die Effekte neuer Regulierungen auf Unternehmen zu analysieren, um festzustellen, ob politische Maßnahmen angepasst werden müssen.

Durch die erweiterte Berichterstattungspflicht zu nachhaltigen Unternehmensaspekten im European Green Deal ebnet die EU den Weg für eine ressourcenschonendere, sozial zukunftsfähige Wirtschaft in Europa, wovon etwa 15.000 deutsche Unternehmen, einschließlich vieler Mittelständler, betroffen sind. Diese Unternehmen beginnen nun, Daten über soziale und ökologische Auswirkungen zu sammeln und zu berichten. Wir unterstützen Unternehmen dabei, die Vorteile dieser Berichtspraxis zu nutzen.

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verlangt Berichte über immaterielle Ressourcen wie Mitarbeiterexpertise oder Geschäftsnetzwerke. Gemeinsam mit dem Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) haben wir ein Whitepaper zur Umsetzung dieser Vorgaben erstellt und im Rahmen einer Veranstaltung veröffentlicht. Eine detaillierte Bewertung der Chancen und Herausforderungen für den Mittelstand folgt mit dem Referentenentwurf, der Aufschluss über die praktische Umsetzung in deutschen Unternehmen gibt.

Das notwendige Kapital für die Dekarbonisierung von Geschäftsmodellen und den Umbau der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit bereitzustellen, wird unter dem Begriff der „Transformationsfinanzierung“ zusammengefasst. Da staatliches Kapital bei weitem nicht ausreicht, diejenigen Investitionen und Innovationen zu finanzieren, die notwendig sind, ist das Bereitstellen und die Kanalisierung von privatem Kapital in nachhaltigere Geschäftszweige und Wertschöpfungslogiken notwendig. Den regulativen Rahmen bilden die EU-Taxonomy, die CSRD sowie die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR). Im Rahmen des STM erheben wir Daten zur Interaktion zwischen Real- und Finanzwirtschaft. Konkret geht es um die Fragen, welche Rolle Nachhaltigkeit bei der Finanzierung von Unternehmen spielt, wie die Begleitung von Unternehmen aussieht und ob neue Produkte, die an Nachhaltigkeitskriterien gebunden sind, angeboten und nachgefragt werden. Wir erheben diese Daten im Rahmen des STM und konnten auf dem Sustainable Finance Gipfel Deutschland neueste Trends zum Zusammenwirken von Banken und Realwirtschaft vorstellen und wesentliche Fragestellungen mit Vertreter:innen von Banken, der Wissenschaft sowie mittelständischen Unternehmen – teilweise auch kritisch – diskutieren.

Am 1. Februar 2024 werden wir den STM24 – also die umfangreiche neue Erhebung zum Stand der Transformation der Unternehmen im Rahmen einer Veranstaltung publizieren und diskutieren. Eine Teilnahme ist vor-Ort als auch online möglich.

Gemeinsam mit der ESCP-Business School arbeiten wir an der Fragestellung wie sich Geschäftsmodelle in den letzten Jahren verändert haben, in welchen Bereichen Veränderungen vorgenommen wurden und ob dies einen Zusammenhang mit einer vermehrten Ausrichtung hin zu mehr Nachhaltigkeit steht. Dazu haben wir repräsentative Daten erhoben und mit ausgewählten Case-Studies abgeglichen. Die Studie wird Ende März in Berlin vorgestellt.

Und ab dem Sommer 2024 werden wir wieder in die Erhebungsphase für den STM25 gehen.


Disclaimer für den Blog: Dieser Text wurde auf Basis eines von Menschen verfassten Textes mit Hilfe von Chat GPT 4.0 optimiert.

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